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Wesentlichkeit erfordert Stakeholderdialog – Wieso GRI G4 nicht nur das CSR-Reporting betrifft

strategieblog_G4Gastbeitrag: David Haag (J+K)

Am 22. Mai 2013 wurde in Amsterdam die neue G4-Richtlinie auf der Konferenz der Global Reporting Initiative (GRI) vorgestellt, die künftig das CSR-Reporting bestimmen wird.

Was sind die drei wichtigsten Eckpunkte? Bereits die Diskussionen bei der GRI-Konferenz machten deutlich: erstens ist das Thema Wesentlichkeit Dreh- und Angelpunkt für G4. Dies ist keine Revolution per se, da Wesentlichkeitsanalysen bereits bei G3 gewünscht und von vielen Unternehmen durchgeführt wurden. Neu ist jedoch die Qualität, die dem Thema nun beigemessen wird. So muss der Prozess der Wesentlichkeitsbestimmung von allen Unternehmen transparent dargelegt werden und die Basis für die Berichtsinhalte bilden. Zum Zweiten werden die Anwendungsebenen aufgelöst und durch die Stufen „Core“ und „Comprehensive“ ersetzt. Diese unterscheiden sich im Umfang der Offenlegung, unterliegen aber beide dem Gedanken der Wesentlichkeit. Der letzte Punkt ist eine Stärkung bestimmter Nachhaltigkeitsthemen, insbesondere von Ethik und Governance, Korruption, Lieferkette sowie GHG-Emissionen.
Bei aller Euphorie der Fachwelt für die Wesentlichkeit ist aber auch Pragmatismus gefordert. Im Kern ist Wesentlichkeit die Frage nach einem adäquaten Prozess des Stakeholderdialogs. Unternehmen sind dazu gezwungen, sich noch stärker mit ihren Verantwortungsgrenzen auseinanderzusetzen – und zwar gemeinsam mit den Stakeholdern. Diese haben aber genauso wenig wie das Unternehmen Interesse an langwierigen und überkomplexen Diskursen. Deswegen müssen Unternehmen Beteiligungsformen anwenden, die glaubwürdige Verantwortung und betriebswirtschaftliche Machbarkeit vereinbaren.

Vor der Definition von Instrumenten muss aber erst die Frage im Vordergrund stehen, welches Ergebnis sich Unternehmen vom Dialog mit den Stakeholdern erwarten. Geht es nur um einen möglichst schlanken Prozess mit einem fokussierten Themenspektrum für den CSR-Bericht? Oder soll auch ein kontinuierlicher Kontakt mit den Stakeholdern initiiert werden? Und noch wichtiger: Welche Stakeholder kann man überhaupt ansprechen und welcher Mehrwert entsteht für sie im Ergebnis? Werden diese Fragen nicht im Vorfeld geklärt, wird ein Wesentlichkeitsprozess scheitern. Denn insbesondere NGOs, die Wissenschaft, aber auch Lieferanten werden kaum die Zeit aufbringen, um etliche Wesentlichkeitsprozesse mit ihrer täglichen Arbeit zu vereinbaren. Deswegen werden sie sich in Zukunft noch genauer überlegen, wie sie ihre knappe Zeit möglichst effektiv einsetzen.

Für uns steht fest, dass Unternehmen damit nicht mehr um ein ernsthaftes Stakeholder-Management herumkommen. Dies erfordert eine glaubwürdige Haltung und eine systematische Öffnung gegenüber den Erwartungen der Stakeholder – und das nicht nur in einem singulären Wesentlichkeitsprozess. Deswegen empfehlen wir Unternehmen zweierlei: Erstens sollten sie sich den Themen Wesentlichkeit und Stakeholder-Management integriert annehmen. Zweitens sollten sie nicht der Versuchung erliegen, G4 durch einen halbgaren Wesentlichkeitsprozess erfüllen zu wollen. Denn: Lippenbekenntnisse werden schnell entlarvt. Und noch schlimmer: Sie schaden der Reputation.

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